#3 Arbeit in Organisationen für Menschen mit Behinderungen
Die Rekrutierung von Menschen mit Behinderungen in Organisationen, die durch öffentliche und private Mittel finanziert werden, ist oft schwierig. In der Schweiz lebt jede fünfte Person, also 22 %, mit einer Behinderung. Es stellt sich die Frage, ob der Anteil an Menschen mit Behinderungen im Personal dieser Organisationen unter, über oder bei 22 % liegt.
Nach einer Bewerbung bei einer solchen Organisation erhielt ich eine Absage ohne Vorstellungsgespräch. Auf meine Anfrage erhielt ich keine Erklärung, nur eine Datenschutzgründe. Später erfuhr ich, dass statt mir eine Person eingestellt wurde, deren Familienmitglied behindert ist, obwohl sie selbst keine Behinderung hat. Dies zeigt, dass die Rekrutierung von nicht behinderten Personen die Chancen für Menschen mit Behinderungen erheblich verringert. Es scheint, dass Menschen mit Behinderungen noch geringere Chancen haben als nicht Personen mit Behinderungen mit Angehörigen mit Behinderungen. Der Grossteil des Personals in diesen Organisationen ist nicht behindert.
Ich wurde dreimal in solchen Organisationen eingestellt und kurz darauf entlassen, oft wegen meiner Gehörlosigkeit oder aus Gründen, die ich als ungerechtfertigt empfinde. Öffentliche Zuschüsse sollen die Teilhabe von Menschen mit Behinderungen an der Gesellschaft fördern. Trotz ihrer sozialen Mission finden viele Menschen mit Behinderungen jahrelang keine Anstellung.
Öffentliche Mittel sollten echte Chancen für Menschen mit Behinderungen schaffen. Warum werden nicht mehr Menschen mit Behinderungen eingestellt? Die Gelder könnten umgeleitet werden, um die Inklusion besser zu unterstützen. Ich benötige beispielsweise eine Finanzierung für einen Vollzeit-Gebärdensprachdolmetscherin (derzeit nur 10 Stunden pro Monat an meinem Arbeitsplatz, was für gehörlose Führungskräfte unzureichend ist).
Es ist entscheidend, darüber nachzudenken, wie öffentliche Mittel für eine echte Inklusion von Menschen mit Behinderungen verwendet werden können, anstatt sie für nicht behinderte Personen auszugeben, die in diesen Organisationen arbeiten und entsprechende Leistungen anbieten, während Menschen mit Behinderungen verzweifelt oder erschöpft weiterhin mühsam um eine Anstellung kämpfen. Sind diese öffentlichen Gelder tatsächlich ein Zeichen für erfolgreiche Inklusion? Es ist notwendig, die Ziele der öffentlichen Mittel genau festzulegen und zu entscheiden, in welche Ziele die Finanzierung fliessen soll, um den Menschen mit Behinderungen bessere Chancen auf Inklusion zu geben.