#2 mein Monatsgehalt von 3100.- für eine verantwortungsvolle Stelle

Christian wirkt erschöpft beim Weihnachtsessen nach meinem Kampf gegen die Gehaltsungerechtigkeit!

Die Jobsuche für eine gehörlose Person ist oft sehr schwierig, mit geringeren Erfolgsaussichten im Vergleich zu hörenden Arbeitssuchenden. Trotz intensiver Suche nach meinem Studium habe ich ein Praktikum bei einem Arbeitgeber absolviert, das von der Invalidenversicherung (IV) mit 2100 Franken pro Monat für sechs Monate finanziert wurde, verlängerbar um weitere sechs Monate. Diese Praktika sollen Arbeitgeber dazu ermutigen, Menschen mit Behinderungen einzustellen. Mein Vorgesetzter war sehr zufrieden mit meiner Arbeit.

Am Ende meines Praktikums entschied sich der Arbeitgeber, mich für drei Jahre in einer verantwortungsvollen 80%-Stelle einzustellen. Trotz wiederholter Anfragen erhielt ich jedoch bis zum geplanten Arbeitsbeginn keinen Vertrag. Einige Tage nach diesem Datum erhielt ich endlich den Vertrag und war sehr überrascht, ein Bruttogehalt von 3100 Franken pro Monat vorzufinden, weit unter meinen Erwartungen. Zum Vergleich: Eine Kollegin mit ähnlichen Verantwortlichkeiten verdient das Doppelte. Ich machte meinen Vorgesetzten und die Personalabteilung auf diese Ungerechtigkeit aufmerksam, aber es wurde nichts unternommen.

Mein Vorgesetzter und die Personalabteilung schlugen vor, eine Teilrente der IV aufgrund meiner Gehörlosigkeit zu beantragen, obwohl ich nach den Kriterien der IV nicht als invalide gelte, da ich einen Universitätsabschluss habe. Ich lehnte diese Anfrage ab, da ich nicht von der IV abhängig sein wollte. Trotzdem kontaktierten mein Vorgesetzter und die Personalabteilung ohne mein Wissen die IV, und ich erhielt einen Brief von der IV, in dem die Ablehnung der Anfrage erklärt wurde. In einem Gespräch mit meinem Vorgesetzten äusserte ich mein Missfallen über meine geringe Bezahlung. Sein Rat, meinen Vater um finanzielle Hilfe zu bitten, schockierte mich zutiefst, da ich mit 28 Jahren finanziell unabhängig bin.

Nach vielen Bemühungen wandte ich mich an eine externe Anwältin, die meinen Arbeitgeber auf die rechtlichen Konsequenzen im Falle weiterer Untätigkeit hinwies. Daraufhin bot der Arbeitgeber einen neuen Vertrag mit angepasstem Gehalt an, sieben Monate nach meinem Arbeitsbeginn. Dieser siebenmonatige Kampf erforderte viel Energie und Mut angesichts dieser Gehaltsungerechtigkeit aufgrund meiner Gehörlosigkeit.

Eine Behinderung sollte niemals eine Gehaltskürzung rechtfertigen. Mit oder ohne Behinderung muss das Gehalt fair sein und auf Kompetenzen, Erfahrungen und Abschlüssen basieren.

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#3 Arbeit in Organisationen für Menschen mit Behinderungen

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#1 Als Gehörloser an der Universität studieren