#5 Unprofessionelle Rekrutierung und ungleiche Beurteilung

Christian zeigt Vertrauen, Loyalität und Respekt

Nachdem ich mich bei einer Behindertenorganisation beworben hatte, hatte ich das Glück, ein Vorstellungsgespräch zu bekommen, das sehr positiv verlief. Daraufhin wurde ich unbefristet eingestellt, aber meine Stelle wurde mit einer nicht behinderten Person geteilt, die bereits vier Monate vor meinem Eintritt einen befristeten Vertrag hatte. Diese Konstellation führte zu einer Aufteilung der Verantwortlichkeiten, wobei einige wichtige Aufgaben und externe Kontakte, die diese Person bereits aufgebaut hatte, nach Ablauf ihres Vertrags von mir übernommen werden sollten.

Während meiner Probezeit verlief meine Arbeit gut und ich hatte konstruktive Gespräche mit meinem Team, das ein echtes Interesse an einer inklusiven Kommunikation zeigte. Am Ende der Probezeit war ich jedoch überrascht, als meine Vorgesetzte ihre Unzufriedenheit mit meinen Fähigkeiten zum Ausdruck brachte, obwohl sie zuvor keine Bedenken geäußert hatte. Ausserdem stellte ich fest, dass mein Verantwortungsbereich teilweise eingeschränkt war, da bestimmte Aufgaben, insbesondere die Kontakte zu externen Partnern, an meine Kollegin delegiert wurden, die bereits dafür zuständig war.

Aufgrund dieser Beobachtungen wurde meine Probezeit um drei Monate verlängert und mir wurden klare Ziele gesetzt. Während dieser Zeit wurde meine Kollegin unbefristet übernommen, was für mich etwas überraschend kam. Trotz dieser Situation arbeitete ich zielstrebig daran, die gesteckten Ziele zu erreichen, insbesondere im Bereich der politischen Beziehungen, wo es mir gelang, erfolgreiche Kontakte zu Abgeordneten zu knüpfen. Dennoch drückte meine Vorgesetzte erneut ihre Unzufriedenheit aus, ohne konkrete Gründe zu nennen.

Am Ende dieser verlängerten Probezeit teilten mir der Direktor und mein Vorgesetzter mit, dass meine Arbeit nicht vollständig ihren Erwartungen entspreche, ohne jedoch konkrete oder schriftliche Beweise vorzulegen. Einige Aufgaben wurden als nicht erledigt bezeichnet, während die positiven Aspekte meiner Arbeit nicht anerkannt wurden. Diese Situation verwirrte mich, insbesondere als meine Vorgesetzte bestätigte, dass meine politische Arbeit zufriedenstellend war, dies aber in ihrer schriftlichen Beurteilung nicht erwähnte. Ich bat um Klärung der angesprochenen Punkte, erhielt aber keine zufriedenstellenden Antworten.

Auch der Direktor, der nie direkt mit mir zusammengearbeitet hatte, äußerte Bedenken, was ich als verwirrend empfand. Schliesslich wurde beschlossen, meinen Vertrag zu kündigen. Diese Situation veranlasste mich, über die Praktiken der Organisation in Bezug auf Einstellung, Personalmanagement und Aufgabenverteilung nachzudenken. Meines Erachtens hat die Besetzung einer Stelle mit zwei Personen zu einer komplexen Dynamik geführt, die einer fairen Bewertung der Kompetenzen nicht förderlich war.

Trotz dieser Umstände habe ich immer mein Bestes gegeben, um meine Arbeit zu erledigen und die mir gesteckten Ziele zu erreichen. Ich habe mich in jeder Phase um Loyalität und Professionalität bemüht. Ich glaube, dass es in Zukunft von Vorteil sein wird, diese Erfahrungen zu nutzen, um die Einstellungs- und Beurteilungsverfahren zu verbessern und sicherzustellen, dass jeder Mitarbeiter fair und anhand klarer Kriterien beurteilt wird.

Ich wünsche mir aufrichtig, dass Arbeitgeber sich verpflichten, ein integratives und respektvolles Arbeitsumfeld zu schaffen, in dem die Fähigkeiten jedes Einzelnen voll anerkannt und gefördert werden. Die Herausforderungen, denen sich Menschen mit Behinderungen gegenübersehen, sollten offen und gemeinsam angegangen werden, um gegenseitiges Vertrauen aufzubauen und ein wirklich professionelles Personalmanagement zu gewährleisten.

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#4 Kündigung meines Vertrags wegen mangelnder Erfahrung mit einer gehörlosen Person